Die Nacht war unruhig und feucht. Das geliehene Zelt war undicht und der starke Regen in der Nacht machte uns sehr zu schaffen…

Eifelsteig Etappe 2

Nasser Morgen und erste Kilometer

Früh morgens, wir waren schon auf den Beinen, doch der Campingplatz… lag in absoluter stille da. Es hatte aufgehört zu regnen, doch ich stand Barfuß in einer Pfütze. Müde Gähnte ich wärend ich einen Blick über die nasse Ausrüstung warf. “Scheiße” dachte ich. Das ganze nasse Zeug wog jetzt bestimmt 2kg mehr als vorher, aber was soll es, da mussten wir nun durch.

Aber schnell hielt ich mir wieder das Ziel für den heutigen Tag vor Augen, die 17 km bis Monschau. Doch mein Ziel für den Augenblick… Trockene Füße.

Unser Plan war es gewesen, den Platz in Roetgen gegen 6:00 zu verlassen und früh geweckt durch das nasse Innenzelt, lagen wir dem Zeitplan auch nicht allzu lange hinterher. Gegen 6:30 hatten wir den Ort Roetgen auch schon verlassen und die erste Steigung bewältigt. Oberhalb von Roetgen, wo wir nun standen, hatten wir einen Wunderbaren Blick über die Weiden und Felder die durch den starken Regen in der Nacht jetzt eingehüllt von Nebelschwaden vor uns lagen. Wir genossen kurz den Augenblick, dann zogen wir auch schon rasch weiter.

Erste Entscheidung am frühen Morgen

Wenige Hundert Meter weiter standen wir nun vor der ersten Entscheidung die wir heute zu treffen hatten. Vor einem Waldabschnitt der uns einen Teil durch Belgien führte, stand ein Hinweisschild, dem zufolge sollte man während oder nach Regenschauern lieber den befestigsten Weg außerhalb des Waldes nehmen, es wäre nur ein Umweg von ein paar hundert Metern.

Kurz wurde dieser Umweg tatsächlich in Betracht gezogen, schnell aber wieder verworfen. Waren wir nicht aufgebrochen um ein wenig Abenteuer zu erleben? Und sagt man nicht immer “No Risk, No Fun”? Wie schlimm könnte es denn schon werden?

Also Rucksäcke auf den Rücken, Wanderstöcke griffbereit und los. Nach den ersten Schritten stand dann schnell fest, es wird kein leichter Weg, aber ein machbarer. Viel Schlamm, man rutschte ständig trotz Wanderstiefel weg oder blieb leicht stecken. An einigen Stellen wichen Pfützen kleinen Tümpel um die wir große bögen machen mussten.

Unser Glück war jedoch der Holzsteg, der die hälfte des Waldstücks ausmachte. Dieser war zwar genauso rutschig wie der Waldboden, stellenweise würde ich sogar sagen das er schlimmer war, doch wir mussten keine Pfützen mehr umgehen und blieben auch nicht mehr stecken.

Als wir den Wald verließen blickten wir zurück und bereuten keinen Augenblick die Entscheidung, wir hätten doch ein echtes kleines Abenteuer verpasst, wenn wir den Umweg über den befestigten Weg gegangen wären.

Der längste Marsch

Wir gingen noch eine ganze Weile durch den Wald, auf und ab, allmählich machten sich meine Beine und noch schlimmer, meine Füße bemerkbar. Die Hacken fingen langsam an zu brennen und an einem schönen kleinen Fluss, “oder war es ein Bach?” machten wir dann endlich einmal Rast. Das Frühstück wurde ausgepackt und schnell in sich hineingestopft, noch schnell ein paar schöne Fotos von der Umgebung gemacht und dann traf ich die schlechteste Entscheidung die ich auf dieser Tour treffen konnte. Ich zog meine Schuhe aus, jetzt hatte ich Gewissheit, an beiden Fersen bildeten sich langsam Blasen, doch das war nicht das schlimme an der ganzen Gesichte, gut ich wusste jetzt ich habe mir Blasen gelaufen. War es abwegig? Mit neuen Schuhen… auf so einer Tour? Nein gewiss nicht. Aber versucht mal danach eure Schuhe anzuziehen. Es war sehr schmerzhaft, dass kann ich versichern.

Eifelsteig Blick von Brücke
Eifelsteig Bachufer
Bachufer

Nun, leicht angeschlagen, kam der längste Teil der Strecke, das Hohe Venn. Dieser Teil führt über mehrere Kilometer nur gerade aus und man hat das Gefühl, dass das Ziel einfach nicht näher kommt. Dazu das brennen der Mittlerweile doch sehr hoch am Himmel stehenden Sonne und das stechen in den Waden. Von den Füßen ganz zu schweigen.

Eifelsteig der lange Weg
Lange Wegstrecke

Doch auch das wurde überlebt und wurde zum Schluss mit einer Wetterschutzhütte belohnt in der wir uns kurze Zeit ausruhten und einen Blick auf den Weg zurück warfen. Monschau war nicht mehr weit und das Ziel fast vor Augen zu haben, gab uns beiden noch mal einen Motivationsschub. Jetzt ging es noch einmal kurz eine Steigung hinauf und dann… fing es auch schon an zu Regnen, wer hätte es Gedacht, als ob es in der Nacht nicht schon genug geregnet hätte.

Wetterwechsel und falsche Entscheidung

Nun standen wir da, hatten noch die ein oder anderen Kilometer vor uns und standen vor der nächsten Entscheidung, Regenkleidung an oder so weiterlaufen. „Ach quatsch, ist doch Sommer, es ist warm und es hört bestimmt gleich wieder auf“ höre ich uns noch heute sagen.

Naja, es hörte so schnell nicht mehr auf zu Regnen, allmählich wurden wir auf eine echte Probe gestellt. Es zermürbte uns förmlich, die Schmerzen die wir beide in allen Muskeln spürten, die Blasen an meinen Füßen und jetzt auch noch Nasse Kleidung. Es wurde uns nicht leicht gemacht auf diesen 17 Kilometern nach Monschau. Und trotz Sommer, es wurde uns langsam doch kalt.

Aber es war nicht mehr weit. Das wussten wir beide. Und so gingen wir weiter, obwohl mir so langsam immer öffters der Gedanke kam, „sind wir nicht weit genug gekommen? Reicht es nicht bis hier?“ Doch mein Wegbegleiter spornte mich an. Wenn er bis nach Monschau kommt, schaffe ich es auch. Und wir erreichten auch nur kurze Zeit später unser Ziel, wir Blickten auf Monschau, mussten jetzt nur noch einen Weg hinunter in die schöne Altstadt finden.

Durch dichtes Unterholz führte ein schmaler Pfad langsam hinunter ins Tal. Vorsicht war hier geboten, überall nasse Wurzeln, wenn man auf diese Trat, war man schneller unten im Tal als gedacht. Schnell noch die Straße überquert und ein paar Treppenstufen genommen und schon waren wir da. Wir hatten unser Ziel erreicht.

Angekommen!

Es war meine erste Tour in diesem Ausmaß, ich habe viele Fehler gemacht in den zwei Tagen, aus denen ich sicher gelernt habe. Aber ich bin auch an meine Grenzen gegangen, wenn nicht sogar darüber hinaus. Aber die Leidenschaft für dieses Hobby war nun geboren. Und trotz den Schmerzen die ich hatte, ich war so Stolz es geschafft zu haben, dieses Gefühl am Ziel zu sein ist Unbeschreiblich und muss man einfach erlebt haben.

Info

Wanderroute: Eifelsteig Etappe II

Zeitraum: Sommer 2016

  • Art: Fernwanderweg

  • Start: Roetgen

  • Ziel: Monschau

  • Länge: 017km

  • Aufstieg: 373m

  • Abstieg: 384m

Weitere Infos zur Tour / Offizielle Seite:  Eifelsteig.de

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